Neue und innovative Verfahren bei AMD
Bei der altersbedingten Makuladegeneration tut sich viel, und für die trockene AMD, für die es lange kaum Optionen gab, zeichnen sich erstmals konkrete Perspektiven ab. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten neuen Verfahren nach Krankheitsform und Reifegrad ein und zeigt, was heute schon möglich ist und was künftig möglich werden könnte. Am weitesten fortgeschritten und am aktivsten beforscht ist für die frühe und mittlere trockene AMD die Photobiomodulation. Zuletzt aktualisiert 2026.
Kurz gefasst: Für die frühe und intermediäre trockene AMD gibt es keine zugelassene medikamentöse Therapie, der Versorgungsstandard ist Beobachtung, Lebensstil und Nahrungsergänzung. Genau diese Lücke adressiert die Photobiomodulation (PBM): ein nicht-invasives, lichtbasiertes Verfahren mit plausiblem Wirkmechanismus, günstigem Sicherheitsprofil und konsistent positiver Effektrichtung in randomisierten Studien. Das Praxisgerät Valeda ist FDA-autorisiert und CE-zertifiziert, die Heimtherapie MACULIGHT überträgt dieses Prinzip als Prüfprodukt (Klasse IIa, CE-Zertifizierung ausstehend) in eine laufende klinische Studie. Die in den USA zugelassenen Komplement-Inhibitoren wirken nur im Spätstadium (geografische Atrophie), verlangsamen dort lediglich das Läsionswachstum und sind in der EU nicht zugelassen.
Welches neue Verfahren zielt auf die frühe und mittlere trockene AMD?
Die Photobiomodulation ist heute der am weitesten fortgeschrittene und am aktivsten beforschte Ansatz für die frühe und intermediäre trockene AMD, jenes Stadium, für das es sonst keine zugelassene medikamentöse Therapie gibt. Für diese Frühformen ist der Versorgungsstandard bislang lediglich Beobachtung, Lebensstil und Nahrungsergänzung. Nahezu alle anderen neuen Verfahren richten sich dagegen an die feuchte AMD oder an das trockene Spätstadium. Damit ist die Photobiomodulation einer der wenigen Ansätze, der überhaupt an die entscheidende Behandlungslücke der frühen und mittleren trockenen AMD herangeht, und der zugleich in Form der Heimtherapie über die Klinik hinaus zu den Menschen kommen kann.
1. Photobiomodulation (Lichttherapie)
Für: frühe und intermediäre trockene AMD. Reife: Das praxisgebundene System Valeda ist FDA-autorisiert (De-Novo-Verfahren, November 2024) und in Europa CE-zertifiziert, die Heimtherapie MACULIGHT wird derzeit als Prüfprodukt in einer klinischen Studie (DRKS00036803) untersucht. Bei der Photobiomodulation wird die Netzhaut mit niedrigenergetischem rotem beziehungsweise nahinfrarotem Licht bestrahlt, dieses regt die Stoffwechselaktivität der Zellen an, auf zellulärer Ebene wird die Aktivität der Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien und damit die ATP-Produktion gefördert, ein für Regeneration und Stabilisierung der Sehfunktion bedeutsamer Vorgang (Hamblin 2018). Übersichtsarbeiten beschreiben die PBM als vielversprechendes, nicht-invasives Verfahren mit plausiblem Mechanismus und günstigem Sicherheitsprofil, bei dem größere Kollektive und eine weitere Standardisierung wünschenswert bleiben.
Die belegten positiven Signale aus randomisierten Studien und Metaanalysen sind konsistent zugunsten der PBM gerichtet:
- Metaanalyse (Rassi 2024, 3 RCTs, 247 Augen): bestkorrigierte Sehschärfe +1,76 Buchstaben (95 %-KI 0,04–3,48) und Drusenvolumen −0,12 mm³ zugunsten PBM, eine über die Studien hinweg einheitliche Effektrichtung als positives Therapiesignal.
- Benchmark EYE-LIGHT (Borrelli): ein Sehschärfengewinn von mindestens 5 Buchstaben bei 20,3 % gegenüber 8,9 % der Augen.
- LIGHTSITE III: nach 13 Monaten ein Unterschied von 2,4 Buchstaben zur Kontrollgruppe, innerhalb des behandelten Arms bis Monat 21 +6,2 Buchstaben, und neu auftretende geografische Atrophie war seltener (6,8 % gegenüber 24 % nach 24 Monaten).
Die Effekte sind teils klein und liegen bei der Sehschärfe knapp unter der klinischen Relevanzschwelle, eine Trial-Sequential-Analyse zeigt, dass weitere Studien nötig sind, um den Nutzen abschließend zu sichern. Die Effektrichtung ist jedoch durchgehend positiv. Das ausführliche Thema: Photobiomodulation bei AMD und die Studienlage.
Was leistet MACULIGHT als Heimtherapie?
MACULIGHT überträgt die bislang nur an großen Praxisgeräten gezeigte Photobiomodulation erstmals in die Heimanwendung, als nicht-invasives, lichtbasiertes Medizinprodukt zur Ergänzung der ärztlichen Standardversorgung bei Erwachsenen mit früh- bis mittelgradiger nicht-exsudativer (trockener) AMD. Das Gerät gibt niedrigenergetisches rotes Licht mit rund 670 nm über einen Diffusor auf die geschlossenen Augenlider ab, es besteht kein Kontakt zum Augapfel und es findet keine intraokulare Anwendung statt. Zum System gehören eine Behandlungsbrille mit elastischem, verstellbarem Band sowie eine Heimstation mit integriertem Timer, Sprachführung und automatischer Sitzungs-Protokollierung (Datum, Uhrzeit, Dauer), die die korrekte Anwendung und die Therapietreue unterstützt.
Als Zweckbestimmung ist MACULIGHT darauf ausgelegt, dazu beizutragen,
- die Netzhautfunktion zu unterstützen,
- zum Erhalt der Sehfunktion beizutragen,
- die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) zu erhalten,
- die Kontrast- und Dämmerungssehleistung (Low-Luminance) zu erhalten,
- die patientenberichtete Sehfunktion zu unterstützen.
MACULIGHT ist technisch als äquivalent zum klinisch untersuchten, FDA-autorisierten LumiThera-Valeda-System ausgelegt, die klinische Evidenz zu Valeda aus dem LIGHTSITE-Programm untermauert daher das Wirkkonzept. Angewendet wird MACULIGHT dreimal wöchentlich morgens für je rund drei Minuten. Mehr dazu: MACULIGHT und MACULIGHT-Studie.
MACULIGHT ist ein Prüfprodukt der EU-Klasse IIa, die CE-Zertifizierung ist ausstehend und die Wirksamkeit als Heimtherapie ist noch nicht abschließend erwiesen. Die genannten Nutzenaussagen sind Zweckbestimmungen, keine belegten Ergebnisse, genau diese Ziele untersucht die laufende MACULIGHT-Studie. Die Anwendung ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Behandlung.
2. Komplement-Inhibitoren gegen geografische Atrophie
Für: fortgeschrittene trockene AMD (geografische Atrophie). Reife: In den USA zugelassen (Pegcetacoplan 2023, Avacincaptad 2023). Sie können das Läsionswachstum um etwa 12–35 % verlangsamen, ein anatomischer Effekt, der die weitere Ausdehnung der Atrophie bremsen soll.
Die Sehschärfe verbessern diese Mittel nicht, und sie erfordern dauerhafte, wiederholte Injektionen ins Auge. In der EU stehen sie nicht zur Verfügung: Pegcetacoplan wurde von der EMA abgelehnt (auch die erneute Überprüfung führte nicht zu einer Zulassung), und Avacincaptad ist in der EU nicht zugelassen. Zudem greifen sie erst im Spätstadium, für die frühe und mittlere trockene AMD gibt es aus dieser Wirkstoffklasse keine Option. Für Betroffene in Europa steht dieser Weg damit derzeit nicht zur Verfügung.
3. Länger wirksame Therapien der feuchten AMD
Für: feuchte AMD. Reife: zugelassen. Neuere Wirkstoffe wie Faricimab (Vabysmo) und Systeme mit verlängerter Wirkdauer (Port-Delivery-Ansatz) können die Zahl der nötigen Injektionen verringern, bei ebenso guter Stabilisierung der Sehschärfe wie etablierte Anti-VEGF-Mittel. Für viele Betroffene bedeutet das seltenere Behandlungstermine bei gleichbleibendem Nutzen.
4. Gentherapie
Für: vor allem feuchte AMD (langfristige Anti-VEGF-Produktion aus der Netzhaut selbst). Reife: klinische Studien. Das Ziel ist eine einmalige Behandlung statt wiederholter Spritzen.
Die Gentherapie ist für AMD noch nicht zugelassen und wird derzeit erprobt, ob sich das Ziel der einmaligen Behandlung im Alltag bewährt, müssen die laufenden Studien erst zeigen.
5. Stammzellen und RPE-Transplantation
Für: fortgeschrittene trockene AMD. Reife: frühe klinische Studien. Der Ersatz zugrunde gegangener Pigmentepithelzellen durch aus Stammzellen gewonnenes Gewebe ist ein wissenschaftlich hochinteressanter Ansatz, der langfristig neue Möglichkeiten eröffnen könnte.
Dieser Weg befindet sich noch in einem frühen Forschungsstadium und ist weit von der Routineanwendung entfernt.
6. Netzhautimplantate und Optogenetik
Für: späte, schwere Sehschädigung. Reife: experimentell. Ansätze, die lichtempfindliche Funktion technisch oder genetisch wiederherstellen, könnten künftig gerade für stark fortgeschrittene Fälle Perspektiven bieten.
Diese Verfahren sind experimentell und stehen für die breite Anwendung noch nicht zur Verfügung.
Einordnung: Wo steht die Photobiomodulation?
| Verfahren | Zielgruppe | Status | Verbessert Sehschärfe? |
|---|---|---|---|
| Photobiomodulation (Valeda) | frühe/intermediäre trockene AMD | FDA-autorisiert (De-Novo, 2024) / CE-zertifiziert | in Studien möglicher Gewinn |
| Photobiomodulation (MACULIGHT, Heimtherapie) | früh-/mittelgradige trockene AMD | Prüfprodukt, Klasse IIa, CE ausstehend, Studie läuft | Zweckbestimmung: Sehfunktion erhalten |
| Komplement-Inhibitoren | fortgeschrittene GA (Spätstadium) | US-zugelassen, in der EU nicht zugelassen | nein (nur Verlangsamung 12–35 %) |
| Anti-VEGF (neu) | feuchte AMD | zugelassen | ja (Stabilisierung) |
| Gentherapie / Stammzellen | je nach Ansatz | in Studien | offen |
Die Photobiomodulation ist damit einer der wenigen Ansätze, der überhaupt auf die frühe und mittlere trockene AMD zielt, und der Einzige, der heute schon außerhalb der Klinik zu den Menschen kommen kann. Das erklärt auch die wachsende Aufmerksamkeit: Die FDA hat Valeda im November 2024 im De-Novo-Verfahren autorisiert, die Société Française de Rétine widmete der PBM bei trockener AMD 2026 eigene Sitzungen, und mehrere kontrollierte Studien laufen weiter (u. a. LIGHTSITE IIIb, EUROLIGHT sowie die deutsche MACULIGHT-Studie).
Wie ist die transatlantische Bewertung einzuordnen?
Die US-Zulassung und die vorsichtigere europäische Haltung beruhen auf derselben Datenbasis, nicht auf abweichenden Studienergebnissen. Die FDA autorisierte Valeda 2024 auf Grundlage des LIGHTSITE-Programms. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) spricht in ihrer Stellungnahme von Juli 2025 noch keine positive Empfehlung aus, es handelt sich um ein Positionspapier ohne neue Evidenz zur selben LIGHTSITE-Datenbasis, die die FDA autorisiert hat. Die Differenz ist somit eine unterschiedliche Nutzen-Risiko-Gewichtung, keine unterschiedlichen Daten.
Zur Frage eines Übergangs in die feuchte AMD: In LIGHTSITE III (24 Monate) lag die Konversionsrate unter PBM numerisch höher (7,5 % gegenüber 3,6 %). Die 13-Monats-Publikation dokumentiert jedoch ein rund dreifaches Ausgangs-Ungleichgewicht, 75 % der Augen, deren Partnerauge bereits an feuchter AMD erkrankt war, lagen im PBM-Arm. Eine gepoolte Analyse mehrerer randomisierter Studien ergab ein relatives Risiko von 0,97 (95 %-KI 0,17–5,44), ein klassenweiter, PBM-bedingter Anstieg der Konversion ist damit nicht belegt.
Wie sicher ist die Photobiomodulation?
Das Verfahren hat ein günstiges Sicherheitsprofil. Es ist nicht-invasiv, es besteht nur Kontakt zu intakter Haut über die geschlossenen Lider, und die Bestrahlungsstärke ist niedrig. Über die kontrollierte Evidenz hinweg wurden keine mit der Anwendung verbundenen unerwünschten Nebenwirkungen berichtet, unerwünschte Ereignisse waren selten, mild und vorübergehend (etwa kurzzeitig verschwommenes Sehen). Eine Phototoxizität wurde nicht berichtet, und es traten keine der PBM zuzuschreibenden schweren Ereignisse auf.
Warum ist gerade die trockene AMD so wichtig?
Die trockene AMD ist die mit Abstand häufigste Form und betrifft weltweit einen erheblichen Teil der älteren Bevölkerung (Wong 2014), auch in Deutschland ist die AMD eine der führenden Ursachen für Sehverlust im Alter (Schuster 2024). Für die frühen und mittleren Stadien besteht bislang eine Behandlungslücke: Der Versorgungsstandard beschränkt sich auf Beobachtung, Lebensstil und Nahrungsergänzung, eine zugelassene medikamentöse Therapie existiert nicht. Genau hier setzt die Photobiomodulation an, als nicht-invasiver Ansatz, der früh im Krankheitsverlauf greifen und die Sehfunktion stützen soll.
Hinweis: MACULIGHT ist ein Medizinprodukt in klinischer Erprobung (EU-Klasse IIa) und für die Heimanwendung noch nicht CE-zertifiziert. Die Angaben zum möglichen Nutzen der Photobiomodulation und die Zweckbestimmungen von MACULIGHT beziehen sich auf die in Studien untersuchten Behandlungsziele und sind noch nicht abschließend bewiesen. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Welche neuen Verfahren gibt es bei trockener AMD?
Für die trockene AMD sind vor allem relevant: die Photobiomodulation (Lichttherapie, u. a. Valeda und die Heimtherapie MACULIGHT), die in den USA zugelassenen Komplement-Inhibitoren gegen die geografische Atrophie sowie in Erprobung befindliche Ansätze wie Gentherapie, Stammzell-/RPE-Transplantation und Optogenetik. Die Photobiomodulation ist dabei der am weitesten fortgeschrittene und aktivste Ansatz, der überhaupt auf die frühe und mittlere trockene AMD zielt, jenes Stadium, für das es keine zugelassene medikamentöse Therapie gibt.
Was ist das neueste Verfahren bei AMD?
Zu den jüngsten Entwicklungen zählt die FDA-Autorisierung des Photobiomodulations-Geräts Valeda (De-Novo-Verfahren, November 2024, zusätzlich CE-zertifiziert). Die heimbasierte Photobiomodulation MACULIGHT ist als äquivalent zum Valeda-System ausgelegt und wird derzeit als Prüfprodukt (EU-Klasse IIa, CE-Zertifizierung ausstehend) in der klinischen Studie DRKS00036803 untersucht. Die 2023 in den USA zugelassenen Komplement-Inhibitoren gegen geografische Atrophie sind in der EU nicht zugelassen.
Sind die Komplement-Inhibitoren in Europa verfügbar?
Nein. In der EU wurde Pegcetacoplan von der EMA abgelehnt, und Avacincaptad ist dort nicht zugelassen. Diese Wirkstoffe wirken nur im Spätstadium (geografische Atrophie), können das Läsionswachstum lediglich um etwa 12–35 % verlangsamen, verbessern die Sehschärfe aber nicht und erfordern dauerhafte Injektionen ins Auge. Für die frühe und mittlere trockene AMD bieten sie keine Option.
Wie stark ist die Photobiomodulation belegt?
Die Effektrichtung ist konsistent positiv. Eine Metaanalyse (Rassi 2024, 3 RCTs, 247 Augen) fand einen Sehschärfengewinn von +1,76 Buchstaben (95 %-KI 0,04–3,48) und ein um 0,12 mm³ verringertes Drusenvolumen zugunsten PBM, die Studie EYE-LIGHT zeigte einen Gewinn von mindestens 5 Buchstaben bei 20,3 % gegenüber 8,9 % der Augen. Übersichtsarbeiten beschreiben PBM als vielversprechendes, nicht-invasives Verfahren mit plausiblem Mechanismus und günstigem Sicherheitsprofil. Die Effekte sind teils klein und weitere Studien laufen, der Nutzen ist damit vielversprechend, aber noch nicht abschließend bewiesen.
Ist die Photobiomodulation sicher?
Das Verfahren hat ein günstiges Sicherheitsprofil. Es ist nicht-invasiv, wirkt über die geschlossenen Lider mit niedriger Bestrahlungsstärke und hat nur Kontakt zu intakter Haut. In der kontrollierten Evidenz wurden keine mit der Anwendung verbundenen Nebenwirkungen berichtet, unerwünschte Ereignisse waren selten, mild und vorübergehend (z. B. kurzzeitig verschwommenes Sehen). Eine numerisch höhere Umwandlung in feuchte AMD in LIGHTSITE III (7,5 % vs. 3,6 %) ist durch ein rund dreifaches Ausgangs-Ungleichgewicht der Gruppen erklärbar, eine gepoolte Analyse mehrerer Studien ergab ein relatives Risiko von 0,97 (95 %-KI 0,17–5,44), also keinen klassenweiten Anstieg.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-08